2G Geschwindigkeit im Web: Umdenken bitte!

Geschrieben von Frederik Kohleick veröffentlich am in der Kategorie UX, Design
Man kennt das: Es ist Monatsmitte und YouTube oder andere datenhungrige Apps haben das Datenvolumen aufgefressen. Noch eine flapsige SMS vom Netzbetreiber: Für nur 10 Euro wieder „normal“ surfen – die Versuchung ist groß. Und das nennt sich dann großzügig Flatrate.

Doch warum nehmen wir eigentlich hin, dass viele Websites auf 2G nicht mehr benutzbar sind? Und warum sollten wir als Web-Entwickler dem entgegen steuern?
Das Thema Geschwindigkeit und Website-Performance haben wir an dieser Stelle öfters beleuchtet, immerhin geht es hier um Ranking und damit Umsatz, doch der Spagat zwischen einer schnellen und gleichzeitig schönen, interaktiven und lebhaften Website ist für viele Entwickler kaum zu bewerkstelligen.

 

Warum das Ganze?

Während Länder wie Australien, Kanada, Singapur und die Schweiz 2G abschaffen oder zurückbauen nutzen vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern – da, wo die Netzabdeckung häufig deutlich schlechter ist als in der Uckermark – ein Großteil aller Menschen 2G Netzwerke.

Möchte man diese Menschen erreichen ist es unabdingbar seine Websites für langsame Verbindungen zu optimieren. Gerade Informationsportale für z.B. Flüchtlinge oder Hilfsorganisationen sollten sich das auf ihre Fahne schreiben. Aber auch wer im Ausland Produkte oder Dienstleistungen anbieten möchte sollte beachten, dass das Internet nicht länger ein Ding der sogenannten Industrieländer ist. Gerade also wer internationales Publikum erreichen will, sollte entsprechende Maßnahmen in Betracht ziehen.

 

Ansätze

Neben den üblichen Methoden der mobilen Optimierung - Herunterrechnen von Bildern, Komprimieren von JS und CSS Ressourcen – wäre eine radikale Methode, eine Low-End Seite zu planen. Diese liefert in erster Linie den Content der Seite aus.

Mithilfe von CSS Precompilern lässt sich dann eine CSS-Datei realisieren, die nur die Stile für das Layout der Seite (Grid usw. ausgibt). Dabei außen vorgelassen werden Webfonts, Grafiken, Skripts für Effekte usw. Natürlich erfordert das eine intensive Planung bevor mit dem Programmieren begonnen wird.

Durch die Network Information API (https://developer.mozilla.org/en-US/docs/Web/API/Network_Information_API), die leider bisher noch nicht vollständig implementiert ist, lässt sich dann überprüfen ob ein User im lowBandwidth Modus surft. Tut er das nicht, können weitere Ressourcen hinzugeladen werden.

Auch das bekannte Tool modernizr nutzt diverse Methoden um die Bandbreite des Users einzuschätzen. So richtig verlässlich funktioniert das jedoch nicht, hier kann das rel="noopener noreferrer" Tool Boomerang helfen (https://github.com/bluesmoon/boomerang/).

Benutzern bleibt bis dahin nur das Verwenden von speziellen Browsern wie z.B. Opera Mini der einen Extra-Modus für eingeschränkte Bandbreite bereitstellt. Oder eben Geduld, bis zum nächsten Monat.

Mehr Informationen
https://dvcs.w3.org/hg/dap/raw-file/tip/network-api/Overview.html