Gestalt-Gesetze - Grundlagenwissen für Konzeption und Design 

Geschrieben von Jenny Funk veröffentlich am in der Kategorie Design, UX

Es gibt fachliche Fertigkeiten und Kenntnisse zur Gestaltung von Benutzeroberflächen die unerlässlich sind - unabhängig davon, ob wir uns innerhalb von Projekten in der Konzept-, Design oder Abnahme-Phase befinden.

Zu diesen Kenntnissen gehören die sogenannten Gestalt-Gesetze. Sie stammen im weitesten Sinne aus dem Bereich der Wahrnehmungspsychologie. Die Gesetze sind insbesondere bei der Gestaltung von Zusammengehörigkeit relevant. Sie geben uns ein Verständnis darüber, worauf wir sowohl bei den ersten Visualisierungen von Anforderungen achten sollten, als auch bei der fortführenden Ausgestaltung wie finalen Designs und in der Entwicklung der Benutzeroberfläche. Kurz ausgedrückt: Die Gestalt-Gesetze widmen sich dem Bereich der menschlichen Wahrnehmung.

Solche Gestaltungs-Grundlagen helfen sowohl den Kreativen selbst indem sie ihre eigene Arbeit durch die Brille solcher Ansätze begutachten. Aber auch den Auftraggeber können sie zur Überprüfung der gestalterischen Stimmigkeit dienen. 

 

Zwischen zwei Stühlen

Ein Button, der zwischen zwei Teasern sitzt, weist bspw. keine Zugehörigkeit auf. In der Anwendung bedeutet das: „Ich weiß nicht, was passiert, wenn ich den Button klicke – gelange ich zum Inhalt des linken Teasers oder zum Inhalt des rechten Teasers oder ganz woanders hin?“ 

 

Gestaltgesetze - Button zwischen zwei Elementen

 

Wer gehört zum wem?

Im Folgenden sind die klassischen Gestalt-Gesetze mit den Prinzipien als Titel angeführt. 

 

Nah beieinanderliegende Elemente (Nähe)

Elemente werden als zusammengehörige Gruppe vom Betrachter erfasst, wenn sie mit einen geringen Abstand angeordnet werden. Leerräume sind somit ein wichtiges Gestaltungselement. Ein großer Abstand bedeutet keine Zusammengehörigkeit, ein geringer Zusammengehörigkeit.

 

Zusammengehörigkeit

 

Ähnliche Elemente (Ähnlichkeit)

Ähnliche Objekte, zum Beispiel durch gleiche Form, Größe, Textur, Helligkeit oder Farbe, werden vom Gehirn als zusammengehörig wahrgenommen. Je mehr Ähnlichkeit desto zusammengehöriger sind die Elemente.

 

Ähnliche Elemente

 

Elemente, die sich gemeinsam in eine Richtung bewegen (gemeinsame Bewegung)

Elemente mit Bewegung

 

Elemente, die abgegrenzt sind (Abgrenzung entspricht auch dem Gesetz der Nähe)

Abgegrenzte Elemente

 

Elemente, die sich gleichzeitig verändern (Gleichzeitigkeit)

Insbesondere in den interaktiven Bereichen auf Benutzeroberflächen kann die Gleichzeitigkeit Zusammengehörigkeit vermitteln. Ebenfalls relevant ist dieses Gestalt-Gesetz im Bereich der Animation.

Elemente mit gleichzeitiger Änderung

 

Elemente, die verbunden sind (Verbundenheit)

Gleiche Elemente

 

Elemente, die eine Fortsetzung/Linie bilden (Fortsetzung/Linie)

Elemente mit Linie

 

Was wir als einfach empfinden

Ein einfaches Element kann man sich schneller merken. Durch die visuelle Einfachheit wird die Prägnanz gesteigert.

Komplexe und einfache Karte

 

Was wir als harmonisch empfinden

Strukturen, die geschlossen wirken, werden als vollständig empfunden (Geschlossenheit)

Harmonisches geschlossenes Element

 

Fazit

Die Gesetze geben uns eine Orientierung bei der Gestaltung und Bewertung von Benutzeroberflächen. Alle Projekt-Beteiligten können in den verschiedenen Projekt-Phasen überprüfen, ob Informationen, Elementen und Funktionen visuell zusammengehörig, verwandt oder getrennt gestaltet werden müssen. Mit den Gesetzen kann so gestaltet werden, dass durch die Wahrnehmung klar wird, was der Nutzer tun kann, um das eigene Ziel effizient und effektiv zu erreichen.