Google-Zertifikate: Ein Resilienz-Test?

Geschrieben von Nico Zorn veröffentlich am in der Kategorie Digital Marketing
netzkern ist Google-Partner. Das bedeutet, dass wir in regelmäßigen Abständen Zertifizierungen wiederholen müssen, um unseren Kenntnisstand in verschiedenen Bereichen zu beweisen: Google Analytics (Google Qualified Individual), AdWords (vsch. Examen zu den Werbeformen) sowie – brandneu seit 3. April 2017 – Mobile Webdesign. Wenn wir allerdings an der meist jährlichen Auffrischung sitzen, wundern wir uns regelmäßig über einige Fragen.

Was leisten die Google-Zertifizierungen?

Am Anfang sollte man klarstellen, was die Google-Zertifizierungen bringen. Vertrauen – immerhin steht Google Partner auf den Bannern und der eigenen Website. Kein Beleg sind diese Zertifikate für absolute Expertenkenntnisse, erst recht nicht für einen ganz spezifischen Zweck. Wie sollte man dies auch allgemein prüfen? Vielmehr stellen die Google-Zertifizierungen ein solides generelles Wissen um Möglichkeiten und Funktionen sicher. Da die Prüfungen am eigenen Rechner abgelegt werden, kann aber theoretisch eine andere Person die Prüfungen ablegen – das kann Google gar nicht sinnvoll kontrollieren.

Auch kann man während der Prüfung Google selbst nutzten um Antworten zu finden. Schummeln? Vielleicht. Persönlich bin ich ein Freund von Open Book Tests, d. h. die Verwendung beliebigen Materials ist erlaubt. Außerdem haben Google-Prüfungen ein Zeitlimit: Ich muss also einiges wissen oder zumindest, wo ich es finde und wann ich Zeit zum Nachsehen investiere. Da ich spätestens dann die Lösung kenne, ist das Ziel Grundlagenwissen auch erreicht.

 

Fragen einfach googlen?

Aber kann ich nicht einfach die kompletten Fragen googlen? Ja. Und es gibt auch Lösungen als Ergebnis, komplette Dokumente zum Bestehen. Die haben bisweilen nur einen Nachteil: Sie sind falsch. Denn 100% richtige Lösungsbögen gibt es nicht. Das liegt auch an Google, denn am Ende erfährt man zwar, wie viele Fragen und Prozent man korrekt hatte, aber eben nicht welche.

Das kann man als Selbstschutz sehen. Es wäre sicher nur eine Frage von Tagen oder Stunden bis komplette Lösungen online wären. Stimmt. Auf der anderen Seite wüssten wir durchaus gerne, welche Lösung Google denn gerne gehabt hätte. Oft bleibt dies leider unklar und man hörte mich murmeln: „e) keines der Genannten, sondern …“

 

Googles eigene Dokumentation? Lücken und Fehler

Zurück denke ich aber auch an recht unglückliche Fragen, zum Beispiel zu Keyword-Platzhaltern in AdWords-Anzeigen. Von den vier Möglichkeiten war KEINE wirklich richtig. Immer biss sich etwas, sei es das ersetzte Keyword oder die Groß-/Kleinschreibung. Googles eigene Dokumentation – manchmal erstaunlich schlecht zu durchsuchen – half hier nicht. Überhaupt hängen die Fragen manchmal der Realität hinterher, nicht nur wenn mal wieder ein Anzeigentyp umbenannt wurde. Man nehme einmal dieses Beispiel von Frage und Dokumentation:

Google Zertifizierung Video - nur falsche Antworten


Hier fehlte ein Update. Bis Dezember 2016 gab es tatsächlich mehrere Optionen und alte Videokampagnen behielten diese. Sukzessive wurden sie aber auf Optimise for views umgestellt, so dass es effektiv nur noch diese gibt. Joa … ich vermute mal, die zweite Antwort ist gemeint, denn die war schon immer falsch.

Nebenbei: Dass die Screenshots auf Englisch sind, hat einen Grund. Die Übersetzung ins Deutsche ist schlicht eine zusätzliche Fehlerquelle. Ich mache die Prüfungen daher in der Regel auf Englisch.

 

Purer Terror: Da ist doch ein Trick dabei?

50:50 Joker nimmt man aber gerne an; Ausschlussverfahren bei Multiple Choice ist ebenfalls zeiterprobt. Der wahre Resilienz-Test sind die Fragen, die den Testee an der eigenen Psyche zweifeln lassen:

Wenn ich einen maximalen CPC (Cost per Click) von 15€ pro Klick einstelle, wie viel kostet mich ein Klick dann maximal:

  • 12€ (80%)
  • 15€ (100%)
  • 18€ (120%)
  • 30€ (200%)

 

Die offensichtliche Antwort ist offensichtlich. Und korrekt. Aber wenn man solche Fragen präsentiert bekommt, muss man doch an sich selbst zweifeln?!

 

Manchmal einfacher Common Sense

Über einige andere Fragen oder vielmehr die Antwortmöglichkeiten können wir uns hingegen sehr gut amüsieren. Zum Beispiel diese:

 

Was ist eine Lightbox-Anzeige? Antwortoptionen bitte mal durchspielen...

Man führe sich einmal vor Augen oder spiele durch, wie die einzelnen Optionen real aussehen würden. Und überlege dann, was davon Google messen kann und was tatsächlich Sinn macht. Wahnsinnig viel bleibt da nicht über. Unser Demonstrationsvideo zu den Antwortmöglichkeiten ist übrigens in Planung. :o

Mit einigem Kopfschütteln, Augen verdrehen und „BITTEWAS?!“-Blicken klappt es am Ende dann aber doch recht gut. Manchmal zu gut:

6 von 5 Prüfungen bestanden. Hoppla?!


Äh ja. Ist ok. o_O?!