Horizontale Striche – es gibt verschiedene – und deren Unterschiede

Geschrieben von Henning Haselhorst veröffentlich am in der Kategorie Allgemein

Neulich ertappte ich mich bei der Frage:

Wann nutzt man einen „Gedankenstrich“, wann einen „Bindestrich“ und wann ein „Minuszeichen“?

In der Hoffnung, Google könne mir weiterhelfen wurde die Frage nur noch komplexer:

Was ist ein „Geviertstrich“ und warum scheint es diesen auch als Halb-, Viertel- und Doppelgeviertstrich zu geben? Ist ein „Bindestrich-Minus“ ein weiteres Zeichen oder ein anderes Wort für einen der anderen „Striche“?

Hier das Ergebnis der Recherche:

Häufig verwendet – und damit wirklich relevant – sind in Deutschland der Binde- und der Gedankenstrich.

Um die einleitende Verwirrung der unterschiedlichen Striche wieder etwas zu verringern möchte ich festhalten, dass der erwähnte Halbgeviertstrich dem Gedankenstrich entspricht. Der Viertelgeviertstrich entspricht dem „Bindestrich-Minus“, auf den ich später eingehen möchte.

Geviertstrich und Doppelgeviertstrich

Der Geviertstrich kann — muss aber nicht — alternativ zu Gedankenstrichen, dann aber mit geringerer Spationierung (horizontaler Zeichenabstand), verwendet werden. Ob er „zu lang für gute Typografie“ (Robert Bringhurst) oder klassisch korrekt ist, wirkt strittig. Effektiv genutzt wird er in Deutschland sehr selten.

Der Begriff „Geviert“ führt jedenfalls auf eine Zeit zurück, als noch einzelne Buchstaben gesetzt wurden. Ein Geviert (veraltet für Quadrat) ist ein Bleisatz-Letter mit quadratischer Grundfläche. Auf gängigen „T1-Tastaturlayouts“ ist der Geviertstrich mit ALT+0151(—) darstellbar, so jedenfalls unter Windows. Alternativ mit Unicode U+2014.

Noch seltener Verwendung findet der Doppelgeviertstrich, der – wie der Name schon sagt – doppelt so lang ist wie ein Geviert. Dieser ist so selten als Zeichen in Fonts genutzt, dass man vom Unicode 2E3A wohl nur ausgesprochen selten profitieren würde. Effektiv verwendet würde er in der englischen Typografie um ganze Textteile zu ersetzen (z. B. wenn unangemessen).

Bindestrich, Minus, Gedankenstrich

Bleibt die Verwirrung um Bindestrich-Minus (Viertelgeviertstrich); Gedankenstrich (Halbgeviertstrich) und den Bindestrich.

Als es vor einiger Zeit darum ging, Schreibmaschinen zu designen, war erklärtes Ziel, Zeichen – wo möglich – einzusparen. So bei den unterschiedlichen Zeichen für „Minus“ und „Bindestrich“. Das typografisch korrekte Minuszeichen entspricht dem waagerechten Strich im „+“, hat es aber weder als gesondertes Zeichen auf die Tastatur geschafft noch in den ASCII-Zeichensatz. So spielt es keine Rolle, ob ich das „- Minus“ aus dem Nummernblock, oder den „- Bindestrich“ neben der rechten SHIFT-Taste tippe. Es wird jeweils das etablierte „Bindestrich-Minus“ ausgegeben. Das typografisch korrekte Minus (–) kann mit Unicode 2212 „getippt“ werden.


Der Bindestrich entspricht dem Viertelgeviertstrich und spätestens seit Einführung der Schreibmaschine dem Minuszeichen. Auch der Halbgeviertstrich wurde auf der Schreibmaschine auf diese selbe Taste gelegt und gab damit typografisch „falsch“ einen Binde- und keinen Gedankenstrich aus.

Fast fertig mit der völligen Verwirrung. Es fehlt aber noch die Geschichte zum Gedankenstrich. Dieser entspricht im deutschsprachigen Raum dem Halbgeviertstrich, der etwas länger ist, als der Bindestrich und anders verwendet wird. In englischen Texten wird statt dem halben- der Geviertstrich für den Einschub von – beispielsweise solchen – Gedanken genutzt, um weniger Kommata nutzen zu müssen und damit die Lesbarkeit zu erhöhen.

Tabellarische Gegenüberstellung: Unterschiedliche Striche mit Unicode

Bezeichnung

Zeichen

Unicode

Beispiel

Alternative Bezeichnung

Bindestrich-Minus

-

U+002D

H-Milch

Viertelgeviertstrich; Bindestrich; Minus; Trennstrich; Ergänzungsstrich

Bindestrich

U+2010

H-Milch

Geschützter Bindestrich*

U+2011

H-Milch

Minuszeichen

U+2212

9 – 8 = 1

Gedankenstrich

U+2013

A–Z

Halbgeviertstrich; Bis-Strich; Streckenstrich; bei Geldbeträgen (5,‒ €)

Für Geldbeträge

U+2012

5,‒ €

s.o. (optisch identisch)

Geviertstrich

U+2014

Spiegelstrich; engl. Gedankenstrich

Spiegelstrich

U+2015

Aufzählungen

s.o. (optisch identisch)

Doppelgeviertstrich**

U+2E3A

*Kein Zeilenumbruch danach erlaubt

**in der englischsprachigen Typografie für nicht lesbare oder unangemessene Textteile. Keine Verwendung in der deutschsprachigen Typografie, hier werden Punkte … oder Sterne **** genutzt.

Verwendung der häufigsten Striche

Abschließend einige Beispiele für die – in der Tabelle grün markierten – häufig verwendeten Horizontal-Striche „Bindestrich-Minus“ und „Gedankenstrich“:

Bindestrich(-Minus)-Beispiele

Trennstrich

Um am Ende einer Zeile eine Wort-

trennung zu kennzeichnen.

Datumsangaben

1984-10-23

Ergänzungsstrich

Vor- und Nachteile

Zusammensetzungen

i-Tüpfelchen; H-Milch; 100-jährig

Koppelungen

Fritz-Walter-Stadion

Verdeutlichung von Zusammensetzungen

Druck-Erzeugnis oder Ur-Instinkt

Gedankenstrich-Beispiele

Gedankenstrich

Ein – mehr oder weniger – guter Gedanke

Streckenstrich

Wuppertal-Barmen–Köln

Bis-Strich

1982–2017

Wortgruppen (+Leerzeichen)

Menschen – Tiere – Attraktionen

Gegenüberstellungen (+Leerzeichen)

Geringer Aufwand – Große Wirkung

Pausenkennzeichnung

Achtung, fertig – los!

Spiegelstrich (statt Geviertstrich)

– Milch

– Eier

– Butter

Minuszeichen (Statt Minuszeichen)

4 – 2 = 2 bzw. –13 °C

Auslassungsstrich

€ 5,–

 

Aus Entwickler-Perspektive spielen diese Spitzfindigkeiten kaum eine Rolle, da Informationen in Textfeldern validiert werden sollten um unterschiedliche Datentypen nicht umrechnen zu müssen. Außerdem ist der einzige „mittige horizontale Strich“ eine Kombination aus Bindestrich, Minus und Gedankenstrich und wird immer auch als mathematisches Vorzeichen gewertet. Erst wenn – zum Beispiel bei Word – eine Autokorrektur oder die bewusste Eingabe eines Halbgeviertstrichs falsch für eine mathematische Darstellung verwendet würde müsste eine entsprechende Validierung der Daten die Eingabe für „ungültig“ erklären oder entsprechend uminterpretieren.

Quellen