Kernkraft

Prognosen und Lieferzeiten

Geschrieben von Kai Göhrig veröffentlich am in der Kategorie Agiles Arbeiten
Drei Tage Arbeit und in zwei Wochen auf dem Live-System – wie kommt netzkern eigentlich zu solchen Aussagen? Eins kann ich schon mal verraten: Es ist kein Bauchgefühl und es ist egal, ob die Sonne scheint oder es regnet.

Die alltägliche Herausforderung

Menschen sind grundsätzlich sehr schlecht darin, Dinge zu schätzen die länger als einen Tag dauern. Man vergisst gerne den anstehenden Feiertag, den Kundenworkshop oder das eigene Weiterbildungsseminar. Dazu neigen Menschen je nach Charakter optimistisch oder defensiv zu schätzen – die Mitte trifft fast niemand.

Während klassische Projektmanager gerne rufen: „Lernt besser zu schätzen!“ , haben netzkerns Product Owner einen echten Wettbewerbsvorteil: Scrum.

Scrum und die Grundlage für Planbarkeit

Scrum ist ein Framework zur Erstellung und Auslieferung komplexer Produkte, das nicht nur auf Zusammenarbeit und schlanken Prozessen beruht, sondern auch empirisches Arbeiten unterstreicht.

Empirisches Arbeiten bedeutet anhand von Erfahrungen und Erkenntnissen der Vergangenheit die Zukunft zu planen. netzkerns Scrum Teams sammeln und interpretieren daher Daten – und zwar eine Menge:

Wann wurden Aufgaben angefangen und wann beendet? Wie viele Stunden haben diese wirklich gedauert und wo musste man auf eine interne Übergabe warten? Wie viel Zeit hat das gekostet? Wie viele Krankheits- und Urlaubstage haben wir im Durchschnitt?

Über den Lauf der letzten Jahre ist jede Situation mal passiert: Sonnenschein, Regen, spontane und dringende Kundenanfragen und was man sich sonst noch vorstellen kann. Wir kennen also die historisch besten und schlechtesten Fälle, die uns erwarten könnten.

Planen anhand von Daten

Im nächsten Schritt geht es darum, die Varianz der Prognosen einzugrenzen. Dafür bedienen wir uns eines statistischen Modells: dem MonteCarlo-Modell. Damit bilden wir auf Knopfdruck über 1000 verschiedene Szenarien ab – besonders gute, besonders schlechte und vieles dazwischen – für jede einzelne geplante Aufgabe.

Wenn Ihnen also ein Product Owner von netzkern sagt: „Wir liefern zu 90% am Tag X“ liegt das daran, dass 900 Szenarien spätestens den Tag X für die Lieferung aller Aufgaben errechnet haben.

Damit ermöglicht netzkern sowohl Ihnen als auch den Entwicklungsteams die bestmögliche Planungssicherheit.

Tipp für die eigene Arbeit: Das Gesetz der Fünf

Sie können auch in ihrer eigenen Arbeitsumgebung mit dem „Gesetz der Fünf“ sehr schnell Prognosen treffen. Das Gesetz besagt, dass Sie bereits nach fünf gemessenen Datensätzen abschätzen können, wie lange eine bestimmte Aufgabe im Mittel benötigt.

 

Der Mittelwert

Der Mittelwert (Median) ist ein anderer Wert als der Durchschnitt. Der Mittelwert teilt einen Datensatz, sodass eine Hälfte kleiner und die andere Hälfte größer als der Wert ist. Der Vorteil gegenüber dem Durchschnitt ist hier, dass außergewöhnliche Ereignisse das Ergebnis nicht verfälschen können.

Beispiel: Der Mittelwert der Zahlen 2, 2, 3, 5, 73 ist die drei, während der Durchschnitt 17 wäre.

 

Der schnelle Weg zum Mittelwert

Nehmen wir an, Sie haben einen komplexen Arbeitsschritt, der aufgrund von externen Abhängigkeiten nur schwer zu planen ist.

Sie messen also die ersten fünf Umsetzungen:

  • 20 Stunden
  • 22 Stunden
  • 27 Stunden
  • 29 Stunden
  • 32 Stunden

 

Wenn Sie jetzt ihre Kolleginnen und Kollegen fragen, trauen diese sich wahrscheinlich nicht, eine Aussage zu treffen. "Das nächste Mal könnten es auch acht oder achtzig Stunden sein", hören Sie dann. Und doch können Sie bereits mit über 90% Sicherheit sagen, dass Sie im Mittel zwischen 20 und 32 Stunden benötigen und hiermit für das ganze Jahr planen.

Falls Sie also darum gebeten werden, den Arbeitsschritt in weniger als 20 Stunden zu erledigen, können Sie darauf verweisen, dass dies in mindestens der Hälfte aller Fälle schief gehen wird. Statt auf einer Fertigstellung zu pochen, kann man nun über Chancen, Risiken und Alternativen sprechen.

 

Was hinter der Sicherheit von 90% steckt

Dass fünf Messungen ausreichen sollen, klingt erst mal verrückt – es steckt aber tatsächlich Mathematik dahinter. Wir machen uns zunutze, dass die Wahrscheinlichkeit einer Messung zu 50% über oder unter dem Mittelwert sein muss – wie bei einem Münzwurf.

Das alle bisher gemessenen Werte über dem echten Mittelwert liegen wäre also damit zu vergleichen, fünf Mal hintereinander „Kopf“ zu werfen. Die Wahrscheinlichkeit hierfür ist 50% x 50% x 50% x 50% x 50% = 3,125%.
Dasselbe gilt auch für die Annahme, dass alle bisher gemessenen Werte unter dem Mittelwert liegen könnten.

Wir können daher sagen, dass der Median zu 93,75% (100% - 3,125% - 3,125%) in dem bisher gemessenen Bereich liegt. Mit so einer Sicherheit können Sie schon die ersten Voraussagen treffen, um Entscheidungen zu untermauern.

 

Hoffentlich konnten wir mit diesem kurzen Einblick in Datenanalyse und Prognosen weiterhelfen. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und freuen uns als zuverlässiger Partner darauf, mit Ihnen die nächsten Projekte umzusetzen.