Kernkraft

Werde ich im Nachbarort noch gefunden?

Geschrieben von Nico Zorn veröffentlich am in der Kategorie Digital Marketing

Viele kleine Betriebe haben inzwischen erkannt, dass Suchmaschinenoptimierung für sie wichtig ist: Immer mehr Menschen suchen Online, z. B. nach „Pizzeria“ und bekommen direkt Ergebnisse. Der aktuelle Aufenthaltsort entscheidet mit: Suche ich in Wuppertal, suche ich eine Pizzeria dort, nicht in München, nicht einmal in Düsseldorf. Manchmal ist das Einzugsgebiet natürlich größer, etwa bei Auto- und Möbelhäusern. Wie kann ich als Anbieter aber feststellen, ob ich im Nachbarort immer noch bei Google angezeigt werde?

Sich selbst googeln? Problematisch!

Kleine und mittelständische Unternehmen würden gerne wissen, wo sie auf Google stehen, haben aber oft nicht die Mittel, intensiv Suchmaschinenoptimierung oder auch nur –analyse zu betreiben. Ein spezielles Tool scheidet aus Kostengründen oft aus. Viele greifen daher auf den Browser zurück und suchen einfach, um zu sehen, wo sie für einen Suchbegriff stehen.

Natürlich ist das aus mehreren Gründen problematisch: Die eigene Browser-Historie, der eigene Standort … dies und mehr verfälschen das Ergebnis zwangsläufig. Ein anonymes Browserfenster kann ein wenig Abhilfe schaffen, aber nicht ganz. Ohne ein Budget zu haben ist dies vielleicht auf die einzige Möglichkeit, das eigene Ranking grob zu prüfen.

Dabei sollte man ehrlich mit sich selbst sein: Sucht man seinen Unternehmensnamen, steht man vor Ort ganz oben – oder macht etwas grundsätzlich falsch. Auch komplizierte Begriffe zu suchen, die ein Kunde niemals anfragt, hilft nicht. Man sollte schlicht die Begriffe auswählen, die Kunden auch benutzen; das weiß man normalerweise aus Gesprächen – oder aus der Google Search Console, die man auch als Laie aufsetzen kann.

Keine dieser Möglichkeiten sagt aber etwas darüber aus, von wo eine Person googelt. Hierfür gibt es Local SEO Tools, die Abfragen von festgelegten Orten aus starten.

Standort im Browser verwenden

Ein pragmatischer Ansatz ist nun, diese Such-Standorte selbst festzulegen. Natürlich ist es nicht praktikabel, sich ins Auto zu setzen und zu anderen Orten zu fahren. Und wenn es sich um viele Orte handelt, ist es irgendwann auch billiger, doch in ein Tool zu investieren. Geht es jedoch um eine Handvoll ausgewählte Orte oder auch nur die 2-3 benachbarten Stadtteile, so kann man dies mit dem eigenen Browser lösen. Ich zeige, wie dies mit dem Chrome-Browser funktioniert:

  1. Inkognito-Fenster öffnen – und zwar ein neues ohne dass zuvor etwas eingegeben wurde. Nach jedem Abruf von einem anderen Standort fangen wir hier auch wieder mit einem neuen Inkognito-Fenster an. Das reduziert die Auswirkung anderer Suchen. Ein Inkognito-Fenster öffnet man über einen Rechtsklick auf das Browsersymbol. Mehrere Inkognito-Fenster nebeneinander teilen übrigens ihre Informationen – es darf also nur eins zurzeit verwendet werden.
  2. Wir öffnen das „technische Menü“ mit STRG+Umschalt+I oder Rechtsklick und Untersuchen. Das Menü erscheint normalerweise rechts und kann in der Größe durch Ziehen der Rahmen verändert werden.
  3. In der Mitte bis leicht unten wählen wir Sensors.
  4. Im unteren Bereich wählen wir nun Geolocation. Einige Städte sind hier vordefiniert. Höchstwahrscheinlich ist unser Ort aber nicht dabei, deshalb können wir hier auch die Koordinaten eingeben und ggf. speichern. (s. u.)


    Chromse Sensors Geolocation


  5. Als nächstes rufen wie die Google-Suche auf und erlauben Google, auf den eigenen Standort zuzugreifen.

    Google Aufforderung den Standort zu lesen

    Wenn wir dies tun, hört Google auf die gerade vorgenommenen Einstellungen; lehnen wir es ab, berechnet Google den Standort aus der IP – und das hilft uns nicht wirklich, denn es ist unser echter Standort. Ob Google wirklich unseren eingestellten Standort benutzt, können wir prüfen, indem wir ans Ende der Seite scrollen. Dort wird die angenommene Position angezeigt:

    Google Standort Fußzeile - Ranking von anderem Standort prüfen

  6. Nun können die zu prüfenden Suchbegriffe eingegeben werden. Meine Empfehlung dabei: Mehrere Suchbegriffe ohne Standortänderung sind vermutlich akzeptabel; es sollte jedoch nichts angeklickt werden. Bei einer Standortänderung sollte der anonyme Browser einmal komplett geschlossen und neu geöffnet werden.

Natürlich ist selbst mit dieser Vorsicht eine Verfälschung nicht komplett ausgeschlossen. Komplett können das nicht einmal Tools, denn die Suchergebnisse sind dynamisch und können sich durch Ereignisse auch sehr schnell ändern. Ich denke aber, diese Methode erlaubt zumindest grundlegend einen Eindruck davon zu bekommen, wie man selbst an anderen Orten angezeigt wird.

Woher bekomme ich Geo-Koordinaten?

Die meisten kennen die Geo-Koordinaten der eigenen Firma oder des nächsten Stadtteils eher nicht. Von vielen Städten lassen sie sich über Google finden, indem man „ koordinaten“ eingibt. Auch Wikipedia listet diese. Meist ist das aber ein zentraler Punkt der Stadt.

Wollen wir hingegen einen Stadtteil oder einen spezifischen Punkt am Rand haben, hilft uns Google Maps. Klicken wir hier einmal auf einen Bereich der Karte ohne einen Eintrag, erscheinen kurz darauf mittig unten die Längen- und Breitenangaben, die wir direkt kopieren können.

Wollen wir von den gleichen Orten öfter testen, bietet es sich an, dies in einer Excel-Tabelle festzuhalten. Oder im Browser: Im Geolocation-Menü (Punkt 4 oben) können wir auch auf Manage/Verwalten klicken und unsere eigenen Standorte einspeichern.