Besuch auf der re:publica – Europas größte Netzkonferenz in Berlin

Geschrieben von Mirko Schröder veröffentlich am in der Kategorie
Ein paar Impressionen von der re:publica 2018. 

 

TAG 0

Fünf Minuten vor der Zeit ist des Soldaten Pünktlichkeit ... ach nee, die Bundeswehr war ja auf der re:publica nicht erwünscht. Offizielles Statement der re:publica dazu: https://18.re-publica.com/de/page/bundeswehr-bei-rp18-chronologie-paar-fragen

Aber wenn man einen Tag vorher anreist, kann man entspannt sein Einlassbändchen abholen und ist am nächsten Tag pünktlich anwesend zur Keynote.

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TAG 1

Eröffnungs Keynote der Veranstalter Johnny und Tanja Haeusler, Andreas Gebhard und Markus Beckedahl (netzpolitik.org)

Dies ist schon die 12. re:publica, die 2007 als Blogger "Klassentreffen" mit 700 Teilnehmern gestartet ist. Mit dem diesjährigen Thema POP möchte man sich dem Mainstream öffnen (POPkultur, populär vs Populismus, Power of People, Filterblase).

Gendermäßig ist die re:publica sehr ausgewogen: bereits im letzen Jahr lag die Frauenquote bei den Speakern bei 48%, in diesem Jahr waren die Jungs sogar in der Unterzahl.

Hier gibt es eine Programmübersicht der knapp 500 Sessions über drei Tage

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Die Revolution disst ihre Kinder - alte Linke, neue Rechte und das Internet / Stage2

50 Jahre nach den 68ern wissen wir durch AFD wofür es sich zu kämpfen lohnt. Friedemann Karig spricht mit Stefan Niggemeier, Nils Markwardt und Samira El Quassil (ehemalige Kanzlerkandidatin der Partei 'Die Partei') über die Veränderung des Aufstandes von Links nach Rechts und mögliche Gründe.

 

Dazu passend: Jan Böhmermann zu rechten Trollen und Reconquista Internet

 

Dokumentation "Lösch dich"

 

 

 

Re:publica Sketching

Collaborative sketching / Stage J

In kleiner Runde konnte man verschiedene Schlagworte wie Fakenews, Filterbubble, Zensur im Sketch-Stil aufmalen. Die Werke wurden später auf einer Wall zusammengestellt und ausgehängt.

 

 

Opening Fireside Chat with Chelsea Manning

Wie es ist, in der Öffentlichkeit zu stehen und als Heldin verehrt zu werden. Die Whistleblowerin Chelsea Manning steht in ihrem ersten Europabesuch nach ihrer 6 jährigen Haft Rede und Antwort. 

 

In der Zukunft leben: Narrative formen unsere Welt / Stage 6

Die Redner appelieren, mit positiven Bildern negative Dystopien auszugleichen. Erkenntnis: ohne Negatives gibt es keine Story.

Dazu passend: homo digitalis - eine Serie von ARTE über das digitale Leben

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Einfach barrierefrei - Websites für alle / Stage M1

Teste deine Website auf Barrierefreiheit. BIC für alle: http://www.bik-fuer-alle.de

 

Digitale Öffentlichkeit - und was machen wir jetzt? / Stage 5

Whatsapp Gruppen an Schulen, facebook überall. Was ist zu tun? Wie brauchen Dezentralisierung, Gesetze, Regulierung. Wer soll Daten sammeln dürfen? Warum werden fakenews überhaupt gelesen? Zur Unterhaltung! Daher die steile These: Facebook darf keine politischen Inhalte haben, sondern nur Freunde und Katzenvideos.

 

Mensch und Maschine - wer programmiert wen? / Stage 1

Ranga Yogeshwar gibt einen spannenden Ausblick in die mittelfristige (technische) Zukunft. Entwicklungen werden immer kürzer: die Menschheit ist 60 Millionen Jahre alt, das Wählscheibentelefon gab es 75 Jahre, whatsapp hat 3 Jahre gebraucht, um sich weltweit als Standardmessenger zu etablieren. Ranga Yogeshwar referiert über eine Veränderung der Grammatik: Prozesse entmaterialisieren sich (CD wird .mp3), jeder wird zum Sender, Strukturen der Autorität fallen weg. Weitere Themenpunkte: autonomer Autoverkehr, vom Computer komponierte Musik, Ebook Reader mit Kamera, die die Stimmung des Users erkennen, Kameras als Diagnosewerkzeuge.

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Von Digital Moments und dem Respekt vor der Zeit der Mediennutzer / Media Cube

Jens Gützkow berichtet von Problemen der Publishing Industrie. Autoren können heute nicht einfach nur schreiben, sondern müssen sich viel um technische Aspekte kümmern. Während Medienmacher noch Schwierigkeiten haben, ihre analogen Konzepte ins Digitale zu transformieren, sind die Nutzer schon längst komplett digital unterwegs: Medienkonsum pro Tag: 10 Stunden. Die Nutzer sind themengetrieben, situativ, springen schnell zum nächsten Thema. Daher erreichen gute Inhalte ihre Zielgruppe nicht. Werbung wird übertrieben, Adblocker sind die Folge. Man muss Content schaffen, der den Nutzer interessiert. Gute Beispiele: Netflix, Freeletics, Thermomix, Blinkist. Diese Beispiele schaffen "high intent micro moment". Der Nutzer WILL diesen Content haben. Content muss flexibel sein in Format und Kanal. Beispiel: Artikel vorlesen lassen, dadurch werden Inhalte intensiver aufgenommen.

 

 

WDR Berlin Paris Terror

360° Video mit VR Brillen. Interaktives Video auf YouTube: 

 

 

 

OpenSCHUFA / Stage 2

Cambridge Analytica ist ein Witz gegen die Schufa. Ein ordnungsgemäß zurückbezahlter Kredit führt zum schlechten Score, wenn die Bank vergisst, die Rückzahlung an die Schufa zu melden. Dann kann man nicht mal mehr einen Handyvertag abschließen. Einmal im Jahr kann man bei der Schufa seine Daten anfordern, und zwar kostenfrei. selbstauskunft.net hilft dabei, seine Daten zu bekommen.

Mit einer Datenspende kann man OpenSCHUFA dabei unterstützen, die undurchsichtigen Algorythmen herauszufinden und Entscheidungen nachvollziehbar zu machen.

 

https://www.startnext.com/openschufa

 

 

Selbstbewusst mit und trotz social media / Stage 4

Die 20 jährige Nora berichtet über das Erwachsenwerden und welche Rolle Social Media dabei spielt. Ein guter Einblick in das Gefühlsleben junger Menschen, sehr intereassant für alle Eltern, die diese Entwicklung ihrer Generation Z Kinder noch vor sich haben.

Mittlerweile hat Nora mit einer Freundin das Onlinemagazin http://www.tierindir.de/ für die Zielgruppe Gen Z (12-21 Jahre) gelauncht.

 

Charles Bahr, 16 Jahre, Jungunternehmer

Charles Bahr führt seit 2 Jahren eine SocialMedia Beratungsagentur. Er berichtet sehr eloquent und reflektiert, wie die Generation Z sich im Netz bewegt und was sie mag. In seinen Augen müssen Werbetreibende genau überlegen, wie sie die jungen Menschen ansprechen, denn die suchen Authentizität und entscheidet sehr schnell, was gefällt oder auch nicht.

 

 

Wie Wissen im Netz funktionieren kann - Terra X auf youtube / Stage 6

Harald Lesch über Verschwörungstheoriker: "Es gibt Menschen die sind sehr meinungsstark aber kenntnisarm." Am Beispiel der Wissenschaftssendung Terra X zeigen die Öffentlich-Rechtlichen wie die digitale Transformation gelingen kann und man auch die junge Zielgruppe erreicht: Terra X hat ein Durchschnittsalter von 30 Jahren, was für eine TV Sendung ein sehr guter Wert ist.

 

Kraftwerk und der NSA Skandal / Stage 2

Ein Ritt durch die digitale Entwicklung mit Hilfe des Songs „Computerwelt“ von Kraftwerk.

 

 

Netzbasteltricks / Stage 2

Moritz Metz von Deutschlandfunk nova stellt 99 spannende Livehacks vor.

 

 

Freundeskreis Freiheit (im Netz)- Die freundliche Verweigerung

Das Internet ist kaputt. Überwachung, biometrische Erfassung, Gesundheitsdaten ... Wir geben unsere Privatsphäre auf. Welche tools kann man einsetzen um sich im Netz wirkungsvoll zu schützen? Talk mit Zugpferd Marc Uwe Kling (Känguru Chroniken)

https://pep.coop/home/

Email-Verschlüsselung rel="noopener noreferrer" für alle: https://www.pep.security

 

Geschickt besetzt: Marc Uwe Kling will man sich natürlich nicht entgehen lassen

 

Abends unterwegs zu von Freunden empfohlenen Locations zum Essen

 

 

TAG 3

Richard Gutjahr: Nach Nizza und München - Anatomie eines Shit-Tsunamis

Der Journalist wird zur Zielscheibe von Rechten und Netztrollen, weil er zufällig bei den Anschlägen von Nizza und München dabei war. Ich empfehle dringend, diesen Mitschnitt anzusehen; weil hier deutlich wird, was im Netz passieren kann, welche rechtlichen Rahmenbedingungen es gibt oder auch nicht, und das man auf jeden Fall etwas zu verbergen hat:

 

Die alles bestimmenden Medientrends

Insta-Stories werden nach 24 Stunden gelöscht. Während sich die einen fragen, wozu man aufwendig produzieren soll, freuen sich TV Sender: endlich können wir wieder Müll produzieren, weil es sich eh versendet.

 

Mit der Entwicklung künstlicher Intelligenz brauchen wir neue Rahmenbedingungen

 

AI and the future of marketing

Sven Krüger , Marketingchef von T-Systems, erläutert in seinem interessanten Vortrag, wie sich unsere Welt im Hinblick auf die technische Entwicklung verändern wird. Zum Einstieg gleich eine beruhigende These: wir brauchen keine Angst vor KI zu haben. Eine KI würde die Erde sofort verlassen, da es hier zu wenig Ressourcen gibt. Die Angst vor einer KI beruht auf der Angst vor dispruptiver Veränderung, aber Disruption gibt es laut Krüger nicht, alles ist ein Wandel: man muss jeden Tag neu bewerten. In der Telekommunikation hat man sehr viel Geld mit SMS verdient, jetzt nutzt man Threema und Whatsapp. Diese Entwicklung war aber absehbar. 2045 wird - in Bezug auf die Rechenleistung - künstliche Intelligenz möglich sein, jedenfalls technisch gesehen. Gen Z (nach 2000 geboren) werden Screenagers genannt. Diese Zielgruppe will alles sofort. Inhalte, die nicht instant und mobil verfügbar sind, sind nicht existent.

Anekdote: ein Jugendlicher sendet schriftliche Bewerbung für Ferienjob. Nach 6 Stunden fragt er per Whatsapp nach: „Hallo?? Wieso bekomme ich keine Antwort?“

Konkrete These zur Entwicklung künstlicher Intelligenz: wir kommunizieren jetzt schon mit bots. Bald wird jeder einen eigenen bot haben, der automatisch viele Aufgaben im Hintergrund eledigt, weil er lernt, was wir tun und wollen.

 

re:publica goes Loveparade.

 

The gendered shaping of workplace technology / Stage 2

Fiona Krakenbürger beschreibt technischen Fortschritt als sozial geprägt. Diskriminierung ist nicht Schuld der Technik, sie wurde (extra) so gemacht: ein optisch gesteuerter Seifenspender funktioniert nicht bei schwarzer Hautfarbe. Wir müssen technischen Fortschritt aktiv und sensibel gestalten, damit er gerecht(er) wird.

 

Der Mensch als Softwareerweiterung / Stage 5

Während Technologien oft als Erweiterungen unserer Körper beschrieben werden, betrachtet Sebastian Schmieg in seinem Vortrag diese Beziehungen aus der entgegengesetzte Perspektive: Menschen als Software-Erweiterungen, die ganz einfach eingesteckt, neu verkabelt und wieder ausrangiert werden können: hire and fire.

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Verkehrswende selber machen. Mit Lastenrad-sharing / Stage 8

Eine Initiative, die sich darum kümmert, das man Lastenräder umsonst ausleihen kann. Mit konkretem Nutzen: Einsparung von CO2.

Kasimir dein Lastenrad

Forum Freie Lastenräder

 

Corinna Baldauf von sipgate stellt einige ihrer 24 Work Hacks vor

#hackingwork - keine Manager keine Überstunden und trotzdem was schaffen? / Stage J

sipgate beschreibt ihr Wandlung zum agilen Arbeiten. Das Buch "24 Work Hacks" konnte man dort bekommen.

 

Gehört zur re:publica wie Sascha Lobo: Felix Schwenzel

 

42. Warum wir nach Fragen, nicht nur nach Antworten suchen müssen / Stage 1

Felix Schwenzel gehört zu den Klassikern der re:publica.

 

Singen fördert Gemeinsamkeit: Bohemian Rhapsody Performance wie jedes Jahr.

 

Abschluß

Große Danksagung an alle Verantwortlichen und Helfer mit vielen Gefühlen. Traditionell singen dann alle zusammen Bohemian Rhapsody von Queen.

 

Was ich sonst noch gut fand

- Greenscreen app re:al life. Grüne Bereiche durch anderes Motiv ersetzen

- re:publica Programm app. Änderungen im Programm werden live eingespielt.

- Daten und Fakten: Besucher: 19.500 , Sessions: 496 , Speaker: 929 , Grüne Bälle im Bällebad: 28.800

 

Nächste re:publica

6. – 8. Mai 2019, Berlin, Station (Luckenwalder Str. 12) #rp19