Hartnäckiger Unsinn: "Bilder brauchen 72dpi fürs Web"

Geschrieben von Dennis Nuhn veröffentlich am in der Kategorie Allgemein, Design
Der Irrglaube um die sagenumwobenen 72dpi geistert seit Jahrzehnten durchs Internet, Lehrbücher und Berufsschulen. Es gab bereits zahlreiche Artikel in Fachzeitschriften dazu und trotzdem hält sich dieser Mythos hartnäckig wie kein anderer in der Branche. Kein Wunder, wenn er sogar an Berufsschulen gelehrt wird. Mit diesem Blogeintrag versuche ich die Verwirrung zu beseitigen und aufzuklären.

PPI oder DPI?

Zunächst muss klargestellt werden, dass wir im Zusammenhang mit Bildern von PPI und nicht von DPI sprechen müssen, auch wenn diese Bezeichnungen fälschlicherweise als Synonym verwendet werden.

Denn:
PPI = Pixel per Inch
DPI = Dots per Inch
(1 Inch = 1 Zoll = 2,54cm)

Der PPI-Wert gibt die Pixeldichte an, während DPI die Druckpunktdichte einer Druckmaschine (z.B. Tintenstrahl- oder Laserdrucker) angibt.

Displayauflösung

Unterschiedliche Displays haben je nach Pixelanzahl und Größe unterschiedliche PPI-Werte.

Beispiele:

5,5 Zoll bei 1920 x 1080 Pixel = 401 PPI (z.B. iPhone 7 Plus)

24 Zoll bei 1920 x 1080 Pixel = 92 PPI (Durchschnittlicher Monitor)

Da die Pixel des Smartphones kleiner als die des Monitors sind, passen nämlich mehr Pixel in den einen Inch.

Die Pixeldichte eines Displays ist hardwareseitig festgelegt. Der PPI-Wert eines Bildes hat keinerlei Einfluss auf die Screendarstellung (Mehr zu Bildschirmauflösungen 2017).

Druckauflösung

Die PPI eines Bildes haben - wie eben erklärt - also keinen Einfluss auf Displays, aber sehr wohl auf den Druck.

Mit den PPI sagen wir dem Drucker wie viele Pixel des Bildes wir auf einem Inch Druckstoff (z. B. Papier) darstellen wollen.

Beispiel:
300 PPI Beispiel 300 PPI Photoshopscreenshot

Je höher die PPI, desto kleiner, aber auch schärfer das gedruckte Bild.

Für den Druck werden je nach Fall 150 - 300 PPI empfohlen, um einen qualitativ hochwertigen Druck zu garantieren.

Bei niedrigen PPI-Werten kommt das das Bild nämlich pixelig aus dem Drucker.

Hier eine Visualisierung:

1 PPI Beispiel 1 PPI Photoshopscreenshot

Dateigröße

Die Dateigröße eines Bildes ändert sich beim Verändern der PPI nicht, da neben dem Dateiformat selbst, lediglich die Anzahl von Pixel und Farben für die Datengröße verantwortlich ist.

Hier der Beweis zum Herunterladen und Vergleichen:

100 x 100 Pixel @ 300 PPI (86kb)

100 x 100 Pixel @ 1 PPI (86kb)

Mehr zu webrelevanten Grafikformaten erfahrt ihr in meinem letzten Blogeintrag.

Ursprung

Die Frage woher diese ominöse Faustregel von 72 DPI überhaupt kommt muss aber noch beantwortet werden.

Kein Problem! Der erste Macintosh aus dem Jahre 1984 hatte ein 9 Zoll Display mit genau 72 PPI.
Da stellt sich mir nur noch die Frage wie viele weitere Jahrzehnte es braucht bis es auch beim letzten Berufsschullehrer ankommt.

Zusammenfassung

  • Ob ein Bild 1, 72 oder 300 PPI aufweist macht auf Endgeräten, sowie im Web absolut keinen Unterschied.
  • Der Mythos hat historischen Ursprung
  • Für die Dateigröße sind nur die Anzahl der Pixel und Farben, sowie das Dateiformat, nicht jedoch die PPI verantwortlich.
  • Für den Druck sollten es mindestens 150 PPI, besser 300 PPI sein, um ein gutes Ergebnis zu erzielen.