Versteckte Inhalte auf der Website

Geschrieben von Nico Zorn veröffentlich am in der Kategorie UX, Digital Marketing
Weißer Text auf weißem Grund, Schriftgröße 1 am Seitenende, unsichtbare Inhalte – vor nicht allzu langer Zeit konnte man Suchmaschinen damit noch täuschen. Das geht nicht mehr. Gemacht wird es trotzdem. Interessanter ist inzwischen jedoch die Frage: Wie bewertet Google Inhalte, die nicht sofort sichtbar sind, sondern erst nach einem Klick? 

Wozu Elemente verstecken?

Wozu versteckt man Inhalte – seien es Bilder, Texte, Videos oder sonstiges? Meist ist der Platz der Grund. Der Virtual Real Estate ist schlicht begrenzt: Es passt nur eine bestimmte Anzahl an Pixeln auf den Bildschirm. Dabei werden inzwischen ziemlich viele unterschiedliche Bildschirmauflösungen benutzt, die man bedenken muss.

Als Konsequenz gibt es oft eine Website-Variante, die alles darstellt und eine weitere (in der Regel für Smartphones), die verschiedene Elemente erst nach einem Klick anzeigt. Dies gilt nicht nur für Smartphones. Auch Desktop-Seiten verfügen über Akkordeons, Tabs und mehrschichtige Navigationen, die Inhalte zunächst verstecken. Der jeweilige Inhalt ist also zunächst unsichtbar.

 

Wann machen versteckte Elemente WIRKLICH Sinn?

Aber das ist nicht grundsätzlich schlecht, böse oder manipulativ. Oft macht es Sinn, einige Elemente zunächst zu verbergen: Wenn sie der User Experience dienen. So kann eine FAQ als Akkordeon-Menü absolut sinnvoll sein: Der Besucher sieht alle Fragen, klickt auf seine Frage und sieht die Antwort. Ein Klassiker sind auch zusätzliche Tabs mit den AGBs oder Versandkosten. Diese interessieren zwar, aber nicht primär – weder Kunden noch Suchmaschinen.

Kritischer sind Elemente, die benutzt werden sollen: Verstecke ich die Bewertungsmöglichkeit in einem Tab, sollte ich davon ausgehen, dass sie seltener benutzt wird. Und auch die beliebten Slider sind zwiespältig: Sie kosten wenig Raum – aber im Zweifelsfall sieht der Benutzer einen Slide nie. Das Alleinstellungsmerkmal auf dem fünften Slide wird im Endeffekt nicht wahrgenommen.

 

Was macht Google mit versteckten Elementen?

Google und andere Suchmaschinen sehen diese Elemente meist trotzdem, denn sie schauen den Quellcode an. Allerdings rendern Suchmaschinen Seiten inzwischen. Das bedeutet: Sie führen eine Website aus und sehen genau das, was auch ein menschlicher Besucher sehen würde. Stellt Google nun fest, dass ein Textblock nicht sichtbar ist, gilt dieser als weniger wichtig als der sichtbare Text. Unsichtbarer Text wird abgewertet.

Ich finde das logisch: Als Kunde will ich nicht stundenlang Suchen, sondern schnell das bekommen, weswegen ich da bin. Das ist übrigens keine Neuigkeit, sondern schon lange so: Sowohl John Müller als auch Gary Illyes von Google bestätigten dies in 2014/15.

 

Änderungen im Mobile Index

Eine Änderung soll es aber mit dem mobilen Index geben. Smartphone-Bildschirme haben weniger Platz als Monitor. Eine Komplettanzeige mit allen Elementen würde die User Experience hier oft zerstöre und daran liegt Google nichts. John Müller hat daher angekündigt, dass eine Abwertung für versteckte Elemente im mobilen Index entfallen wird. Da dieser als einziger Index laufen wird, gilt das dann natürlich für alle Websites.

 

Empfehlung & Faustformel

Fakt bleibt aber: Ein versteckter Inhalt wird zunächst weder von Kunden noch von Suchmaschinen gesehen. Die wichtigsten Informationen sollten daher nie versteckt sein, sondern sofort sichtbar. Aussagekräftige Links und Buttons sollten den Besucher klar zum folgenden Schritt leiten.

Ich empfehle die Frage: Was will der Großteil unserer Kunden an dieser Stelle wissen? Dies ist der Kerninhalt. Der Kerninhalt sollte sofort beim Laden auf dem Bildschirm sichtbar sein.

Umgekehrt gilt: Interessieren sich nur 2% der Besucher für die Abmessungen eines Schmuckstücks, kann man diese guten Gewissens verbergen und den Platz für sinnvollere Informationen nutzen. Negativ beantworten sollte man daher die Frage: Ist das Erlebnis des Besuchers beeinträchtigt, wenn dieser Inhalt unsichtbar ist?

Welche Informationen die Kunden wirklich nutzen, findet man mit Digital Analytics, heraus, z. B. über eine Heatmap oder Klickzählung.